Krieg der Wörter

Steiermark Kultur | Franz Niegelhell | aus FALTER 25/06 vom 21.06.2006

FESTIVAL Der steirische herbst hat schon begonnen. Zumindest in der Theorie.

Das Festival steirischer herbst beginnt sein Veranstaltungsprogramm eigentlich erst am 21. September. Aber einige seiner Projekte nehmen bereits Formen an. So wächst etwa das "Wörterbuch des Krieges" bereits kontinuierlich und hat eine erste Präsentation in Frankfurt hinter sich. Dieses Wörterbuch ist eine Plattform zur Herstellung von hundert Begriffen zum Thema Krieg. Es ruft dazu auf, "von einem Krieg der Wörter zu desertieren, in dem Fakten mit enormem Aufwand so lange behauptet werden, bis sie nicht mehr infrage gestellt werden können", heißt es auf der Homepage des herbst.

Es gehe nicht um Definitionen, Anekdoten, originelle Meinungen, sondern darum, "Werkzeuge zu entwickeln, mit denen zu neuen Gedanken zu gelangen ist". Begriffe wie Kameraden, Kriegsmaschine, Think-Tank und Neutralität sind dieser Prozedur schon ausgesetzt. Unter dem Stichwort Marschgepäck hat etwa der Musiker und Literaturwissenschaftler Hans Nieswandt geschrieben: "Es gibt einen Einsatz. Man wird irgendwo ein-und wieder ausgeflogen. Das schwere Marschgepäck muss gepackt werden. Da muss jedes Detail stimmen und jeder Handgriff sitzen, damit man später auf jeden Fall die Stellung halten kann in seinem Nest."

Wichtige Bestandteile des theoretischen Rückgrats des Festivals sind auch die "Herbst-Akademie", zwei Workshops und ein "herbstCamp" zum thema "Kontrollwissen". Für alle diese Veranstaltungen kann man sich schon anmelden.


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