STANDPUNKT

Lasst sie drin

Politik | aus FALTER 26/06 vom 28.06.2006

Wenn angehende Schachspieler ihre erste Turnierpartie bestreiten, gibt ihnen der Lehrer gerne einen Tipp mit auf den Weg: Vor dem Zug auf die Hände setzen und nochmals drüber nachdenken. Allzu schnell tappt der Unbesonnene sonst dem Gegner in die Falle. Was die SPÖ unter Alfred Gusenbauers Führung angeht, möchte man ihr diesen Rat auch dringend ans Herz legen. Statt sich in der Krise abzusprechen, preschen die Genossen wild nach vorn und plärren populistische Parolen. Was bitte soll schlecht daran sein, dass Gewerkschafter eine Stimme im Nationalrat haben? Tun wir doch jetzt nicht so, als hätten wir im Nationalrat - abgesehen von den Gewerkschaftern - 183 freie Parlamentarier sitzen, die jede ihrer Entscheidungen frei und unbeeinflusst träfen. Welche dieser Unfreien schmeißen wir als Nächste raus? Die Bauern? Die Ex-Zwentendorf-Demonstrierer? Die Kapperlträger vom Kartellverband? Gusenbauers Schachzug fehlt es an kühler Kalkulation. Das Parlament für Arbeitnehmervertreter zu sperren wäscht die SPÖ nicht weiß von der Bawag-Schande. Und es löst nicht die Probleme des ÖGB, die auf autoritären Führungsstrukturen, Nimmersattmentalität hoher Funktionäre und völliger Intransparenz gründen. Dieses Bauernopfer taugt nichts. Was bleibt von einer Sozialdemokratie, der die Nähe zu den Arbeitern und ihren Sprechern peinlich ist? M. G. B.


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