STEIRERBRAUCH

Steiermark Stadtleben | aus FALTER 26/06 vom 28.06.2006

KIRSCHEN PFLÜCKEN Wenn sonst gar nichts war im Dorf - Obst war immer. Kopf leer, Kirchen leer, Wirtshaus leer. Kirschbaum voll. Was machst, wennst einsam bist? Nimmst ein Körberl und legst dich in den Schatten. Die beste Gesellschaft! So rot und rund lacht dich das Leben an! So saftig und still rauscht's vorbei. So friedlich. Vielleicht hast Glück: Kommt die Nachbarin vorbei. Mit Körberl. Kleiderl. Kirschohrringerl, links und rechts. Kann s' dich sehen im hohen Gras? Singt sanft für sich, schaut ganz verträumt. Steigt auf den Kirschbaum, gschwind wie ein Eichkatzerl, hoch hinauf, der Sonne entgegen. Singt leise, das Kleiderl über den nackten Knien. So rot lacht dich das Leben an! So saftig! Die Kerne hat sie achtlos fallen lassen. Sind dir wie große feuchte Perlen auf die Stirn gfallen. Schöner war's nur, wenn dir die Mutter ein kaltes Tuch auf die Fieberstirn glegt hat. T. W.


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