hundert jahre zeitausgleich

Steiermark Stadtleben | aus FALTER 27/06 vom 05.07.2006

johannes schrettle

woher kommen wir? wohin gehen wir? und wie viel zeit bleibt uns noch? (blade runner)

zwischen wien und graz, urbanität und elternhaus, zwischen awareness und eskapismus, liebe und realismus, feuilleton und wirtschaft, überkommt uns die beklemmende gewissheit: wir wissen kaum wie uns geschieht auf erden. in eine unfreundliche umwelt geworfen wie hunderte von goldfischen, die letzte woche in sinnlosen akten spontaner wut von den niederländerInnen in die abwasserkanäle entlassen wurden. irritiert wie die ameisen, denen jüngst an der züricher universität die dünnen beinchen wahlweise künstlich verlängert oder verkürzt wurden und die, derart ihres koordinationsvermögens beraubt, entweder viel zu früh erschöpft halt machten oder aber mit riesenschritten weit über ihr anvisiertes nest hinauslatschten. durchgeschüttelt in mark und bein wie die schafe, die demnächst in südafrika antreten sollen, um zum vergnügen der eingeborenen dreißig und mehr meter durch die luft zu fliegen, auf dass der internationale meister im schafsweitwurf ermittelt werde, um dann unvorbereitet in einem lauwarmen wasserbecken zu landen. und nur ganz selten fühlen wir uns rundum befriedigt wie nach dem verzehr von sieben knusprigen blutjungen geißlein, durchstreifen unsere natürliche umgebung und können einem würdigen ende, plötzlich, unmittelbar und im stehen, mit großen braunen augen entgegensehen.


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