STANDPUNKT

Ist nur Gusi schuld?

Politik | aus FALTER 27/06 vom 05.07.2006

Alfred Gusenbauer ist wieder einmal der Buhmann, und das nicht zu Unrecht. Der SPÖ-Chef hat das Richtige falsch gemacht, als er die Spitzengewerkschafter mit Brachialmethoden aus dem Nationalrat verdrängte. Es ist müßig, Gusenbauers Fehler aufzuzählen, das tun Kommentatoren, Parteifreunde und politische Gegner ohnehin täglich. Weniger im Rampenlicht stehen hingegen die Nebendarsteller der roten Farce. Eine tragende Rolle spielte zum Beispiel Bürgermeister Michael Häupl, der den grauen und überforderten ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer zum Spitzenkandidaten auf der Wiener Wahlliste kürte - was dieser nach einer Bedenkzeit generös abzulehnen hatte. Soll das ein Signal an urbane Wechselwähler sein, dank denen die SPÖ im Herbst die Mehrheit erringen will? Oder sind in Wien neuerdings nur mehr die Gemeindebediensteten wahlberechtigt? Ähnlich segensreich das Wirken von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller. Die Salzburgerin mahnt zwar gerne ein, heikle Debatten hinter geschlossenen Türen zu führen, wäscht ihrem Parteichef aber selbst bei jeder Gelegenheit öffentlich den Kopf. Die roten Granden machen es sich leicht, wenn sie immer alles nur auf Gusenbauer schieben. Gerne klopfen sie starke Sprüche. Geht es aber darum, selbst SP-Chef zu werden, sind die Landesfürsten ganz schnell kleinlaut. G. J.


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