Der bessere Zeichner

Kultur | Carsten Fastner | aus FALTER 27/06 vom 05.07.2006

ROBERT GERNHARDT (1937-2006) Der Cartoonist, Schriftsteller und Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule ist tot.

"Mein Gott, wie beziehungsreich

Ich glaub, ich übergeb mich gleich."

Robert Gernhardt

Als den "heute genauesten Chronisten der bundesrepublikanischen Gesellschaft, ihrer verschwiegenen Ängste und heimlichen Vergänglichkeitsgefühle" bezeichnete ihn der Literaturkritiker Gustav Seibt 1997, doch traf Robert Gernhardt weit mehr als nur einen deutschen Nerv - gleich, ob er, wie in seinem Gedichtzyklus "Lichte Gedichte" (1997), als empathischer Dokumentarist menschlichen Alltagselends auftrat oder ob er mit toilettenwandtauglichen Zweizeilern allzu Menschliches auf den Punkt brachte: "Der Kragenbär, der holt sich munter / einen nach dem andren runter." Gernhardts "radikal antimetaphysische und strikt nichthermetische" (Klaus Modick) Lyrik genießt ebenso wie sein zeichnerisches Werk längst auch in Österreich den Status anonymisierten Volksgutes.

1937 im estnischen Reval/Tallinn


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