FERNSEHEN

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 28/06 vom 12.07.2006

Mir ist fernsehmäßig kaum was peinlich, auch nicht, dass ich wahrscheinlich der einzige Mensch über 30 bin, der die Jungmenschensoap "O.C., California" (Sa, 15.15 Uhr, Pro7) bei klarem Verstand konsumiert. Kürzlich begann die dritte Staffel rund um die degeneriert-sympathische Clique im kalifornischen Nobelghetto Newport Beach, Orange County. Hier, wo die Sonne immer erbarmungslos auf die reichen Menschen runterbrennt, die es nicht leicht haben im Leben. Allen voran der dauermelancholische Ryan, ein Teenager aus traurigen sozialen Verhältnissen (Mutter trinkt, Bruder kriminell), der vom vermögenden Gutmenschen-Ehepaar Cohen samt neurotischem Sohn aufgenommen wird. Eine Serie als soziales Experiment - denn bald stellt der verkopfte Außenseiter fest, Alkoholismus, Depression, Gewalt, Betrug, Existenzängste, das haben die in "O.C." auch alles! Ryan packt den gesellschaftlichen Aufstieg durch Adoption, aber die Vergangenheit holt ihn immer wieder ein. In seinem gelackten American Dream lauern die Abgründe an jeder Ecke, in jeder Folge. Selten war eine Pubertierenden-Soap so beunruhigend.


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