Kommentar

Art brut in Gugging: total antiprog


Matthias Dusini
Kultur | aus FALTER 28/06 vom 12.07.2006

Ein paar Maler ziehen in ein Landhaus. Weil ihnen die Fahrt in die Stadt zu mühsam ist, bauen sie im Park eine Galerie und ein Museum. Das ist die neutralste Form, in der sich das Projekt des neuen Art/Brut Centers in Maria Gugging (siehe Seite 20) erzählen lässt. Wäre das die ganze Story, wären den Kuratoren Johann Feilacher und Nina Katschnig einige lästige Fragen erspart geblieben: Wer verdient am Verkauf der Werke? Wie kommen die Künstler zu ihrem Geld? Bei anderen Galerien-oder Museumseröffnungen werden solche Fragen nicht gestellt. Verliert die Gugginger Art brut durch das Geld ihre Unschuld?

Art brut ist das Synonym für die romantische Idee einer von äußeren Zwängen befreiten Kreativität, also genau das, was bis vor nicht allzu langer Zeit an den österreichischen Akademien gelehrt wurde. Studierende, die mit einer Kunstzeitschrift erwischt wurden, hatten da mit Klassenverweis zu rechnen. Künstlerische Leistungen können in dieser Logik nur durch eine angeborene Genialität

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