Das Herz im Klo

Kultur | Joachim Schätz | aus FALTER 28/06 vom 12.07.2006

FILM Stephen Frears' Emigrantenthriller "Dirty Pretty Things" mischt Spannungshandwerk verblüffend plausibel mit Sozialkritik.

Das Bild kommt nach knapp zehn Minuten und es ist so stark, dass es eigentlich schon wieder lächerlich ist: Aus der verstopften Toilette eines Londoner Luxushotelzimmers steigen rote Schwaden auf. Der Hotelangestellte greift in die Klomuschel - und zieht ein menschliches Herz heraus.

Die Versachlichung und Entwertung menschlichen Lebens; die noble Fassade und die schmutzigen Geheimnisse dahinter: Diese Szene bettelt förmlich darum, an ihr alles symbolisch aufzuhängen, wovon der Film bis dahin flink und sicher erzählt hat - anhand eines konkreten Milieus und ganz ohne solches bedeutungsschwangere Rumoren. Der Mann, der das Herz findet, ist der illegale nigerianische Einwanderer Okwe (Chiwetel Ejiofor), der tags als Taxifahrer, nachts als Rezeptionist in besagtem Hotel arbeitet. Okwe bewegt sich in einer multiethnischen Gemeinschaft aus halblegalen Dienstleistern,


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