KUNST KURZ

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 28/06 vom 12.07.2006

Als in den vergangenen Monaten die Wogen um die Bawag hochgingen, wurde in der Kunstszene häufig über die Zukunft des Ausstellungsraums Bawag Foundation spekuliert. In den letzten Jahren wurde dort ein hervorragendes Programm gezeigt. Foundation-Leiterin Christine Kintisch tritt nun eine Art Flucht nach vorn an und zeigt in der selbstironischen Sommerausstellung "Nothing But Pleasure" (bis 26.8.) Arbeiten, die das Fallen, Stolpern und Untergehen zum Thema haben. Mit dem Bawag-Skandal im Kopf trifft man hier wirklich laufend auf Referenzen. Zum Beispiel in dem Video "Mr. Pickup" von John Pilson. Pilsons Büroangestellter räumt seinen Schreibtisch und versucht sisyphosartig einen Berg Ordner zu schleppen, die ihm unentwegt aus den Armen gleiten. Wenn Buster Keaton in dem Kurzfilm "One Week" ein windschiefes Fertigteilhaus zusammennagelt, durch das schließlich ein Zug fährt, so liegt der Gedanke an die Penthäuser der Bankmanager nahe. Der Wiener Künstler Marcus Geiger scheut auch nicht die direkte Anspielung: In einem Rahmen aus Frottee zeigt er eine Kopie des Gemäldes "La Rêve" von Picasso, das Bawag-Totengräber Wolfgang Flöttl einst um 48 Millionen Dollar erwarb.

Die Künstlergruppe Gelitin springt für die Fotoserie "Nellanutella" in venezianische Kanäle, Andreas Slominski hat eine brachiale Holzfalle für Insekten gebaut und der Performancekünstler Peter Land strauchelt in seinem Video "The Lake" als einsamer Jäger. Das Scheitern ist in dieser Ausstellung Männersache; die Künstlerinnen Rosemarie Trockel und Aleksandra Mir sind nur mit kleinen Papierarbeiten vertreten. Ob Slapstick die beste Annäherungsweise an den hauseigenen Finanzskandal ist, sei dahingestellt. Schließlich gibt es jede Menge künstlerischer Arbeiten, die sich mit den Funktionsweisen und fatalen Auswirkungen der New Economy auseinander setzen. Der Vergleich der Bawag-Krise mit einer Panne oder einem Malheur hinterlässt einen unangenehmen Nachgeschmack.


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