Stadtleben

Stadtleben | aus FALTER 28/06 vom 12.07.2006

SEX

Musische Begegnung Es gibt ja Leute, die mögen es, wenn sie den Nachbarn dabei zuhören. "Dünne Wände beleben das Haus", hat die Vermieterin damals gemeint, "das ist so italienisch." Irgendwann kam mir dann einmal ein sexueller Akt in einer Intensität zu Ohren, dass er eigentlich in die Musikgeschichte eingehen sollte. Der Dauerjunggeselle hatte Damenbesuch, man kam sich offensichtlich nahe. Sanftes Fiepen, zartes Gurren steigerten sich in Koloraturen, die mir die Nieren in Nackennähe trieben. Das Finale war (und das stimmt echt!) ein spitzer Schrei, inklusive der Formulierung "GROSS-ART-TIIIIG!" Ich war kurz neidig, dass einem so was in der Situation einfallen kann. Dann Stille, nach zehn Minuten Türenknallen, die Dame war offenbar eine Wolke. Später läutete das nachbarliche Telefon, und ich, allerzufälligst am Balkon lungernd, hörte Folgendes: "... jo, sie ist talentiert, und sie hot sehr guat gspüt." Ich weiß nicht, ob es da um die Dame von vorhin gegangen ist, aber wenn ja, dann bin ich seiner Meinung.

HEIDI LIST

Fussball

Lob des Alltags Die WM ist Geschichte, der Alltag hat uns wieder: Nächste Woche beginnt die Bundesliga. Das klingt jetzt vielleicht etwas schrullig, aber ich kann es kaum erwarten, nach vier Wochen WM-Hysterie wieder ehrlichen Ligafußball zu sehen: Pasching statt Paraguay, Sick statt Lahm, Ferdinand Feldhofer statt Rio Ferdinand! Unter Fußballfreunden ist es Mode geworden, die heimische Liga zu ignorieren: "Du, ich schau nur noch Premier League!" Eine dekadente, weltfremde Entwicklung. Natürlich ist die T-Mobile-Bundesliga um Klassen schlechter als die großen europäischen Ligen. Aber damit muss man leben, so wie mit seiner Familie, seinen Nachbarn, seinen Kollegen. Ganz abgesehen davon, dass Rapid nicht in der Premier League spielt. WOLFGANG KRALICEK


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