STADTRAND

Böse Bobos

Stadtleben | aus FALTER 28/06 vom 12.07.2006

Die Bobofizierung der Vorstädte schreitet voran. Schön für die Vorstädte, wenn sie endlich auch angesagte Bars und Lokale haben, schicke Architektenlofts und Läden mit den unnützlichen Kleidungsstücken der Welt. Aber Bobos bringen nicht nur Devisen (in Form von gutem Ruf und guter Laune), Bobos sind auch böse. Die mögen es nämlich gar nicht, wenn zwei Monate lang und ohne Vorankündigung (hey, bitte in drei Sprachen und - nein! - nicht auf Deutsch, Englisch und Französisch) der Hauptverkehr von der Hernalser Hauptstraße durch ansonsten ruhige Wohngegenden geleitet wird. Bobos wollen nämlich nicht überfahren werden auf dem Weg zum Brunnenmarkt! Sommerabende mit Rotwein und Verkehrslärm auf der Dachterrasse? Sicher nicht! Und mit bösen Bobos ist nicht zu spaßen. Die rufen immer gleich bei der Bezirksvorstehung an - wo geht's hier zum Schimpfen? "Wie lange wohnen Sie denn schon in unserem Bezirk?", fragte man dort. Gegen die Umleitung könne man sowieso nichts machen, und überhaupt solle man froh sein, dass die Bim weiterhin fährt. Hernals ist jedenfalls nicht Neubobostan. Noch nicht. C. W.


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