Fragen Sie Frau Andrea

Kryptonit

Stadtleben | aus FALTER 28/06 vom 12.07.2006

Liebe Frau Andrea,

ein Kollege vom Tokyo Institute of Technology hat mir erzählt, dass in den 1930er-Jahren Versuche unternommen wurden, ein synthetisches Mineral namens "Green Kryptonite" im Labor zu erzeugen. Es sollte als chemische Waffe, die Menschen chronisch müde macht, eingesetzt werden. Bezieht sich das "Superman"-Comic auf dieses Experiment?

Mit hochachtungsvollen Grüßen,

Dr. Helene Iden aka SuperNova, Wien-Wieden

Liebe Helen,

es "gibt" eine Substanz namens Kryptonit. Ob sie tatsächlich existiert, darf bezweifelt werden. Innerhalb des Superman-Mythen-Imperiums ist es jene Substanz, mit der Superman der Garaus gemacht wird. Das grüne Mineral wird von Bösewichten vornehmlich dazu eingesetzt, die imposanten Superkräfte des hypermoralischen Allerweltretters - im bürgerlichen Leben als Journalist Clark Kent unterwegs - zu dezimieren. Kryptonit stammt von Krypton, dem Heimatplaneten des fliegenden Moralapostels. Als der in einer gigantischen Explosion zerstob, zog die Kapsel, die den jungen Superman Richtung Erde evakuierte, einem Kometenschweif ähnlich, das Supermangift Kryptonit hinter sich her. In den Mythos vom Kryptonit dürfte die unsichtbare, aber reale Bedrohung eingeflossen sein, die von radioaktiven Substanzen wie Uran und Plutonium ausgeht. In unserem sprachlichen Alltag hat Kryptonit als Synonym für spezielle Vulnerabilität die Achillesferse abgelöst. Sätze wie "Cilantro und Andie MacDowell sind mein persönliches Kryptonit" beweisen dies blumig.


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