PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Feindkolumne Palm

Stadtleben | aus FALTER 28/06 vom 12.07.2006

Herr, unser Gott, sieh gnädig auf die, die du berufen hast ...

(Tagesgebet am 16. Sonntag

im Jahreskreis)

Gotty kann ja nichts dafür, dass es es nicht gibt bzw. es sich bildete in den Hirnstrukturen der Leute. Und Mozart konnte nichts dafür, dass es ihn gab, und die Leute sich waschen und vornehm anziehen und zu Konzerten gehen, um ihn zu hören. Also ging Palm schnurstracks her und gründete jeden Samstag im Standard eine Mozart-Kolumne, sodass ein Glücksrausch für Schmökernde eintrat, dieses Elend hier und jenes Elend dort verfolgen zu können. Es sind verzweifelte Versuche zweier unglücklicher Menschen, die Ideengeschichten gelten zu lassen und aber ihren Gerechtigkeitswahnsinn treiben zu lassen, und aber die ungeheuerliche Gefahr der jeweiligen Kulturen, denn was wären Gotty und Mozart ohne einander! Geschriebenes halt. Und wie hoch ist die Gefahr, dass sich gespreizte Beine an Jeansboys immer weniger spreizen trauen. Denn wenn die Mozart-oder Wagnerspreize in die Dachlatte, die masochistische Beine spreizt, eindränge ... Nun diese Woche schrieb das Leben in Gestalt des Obersten Gerichtshofs, ohnehin die größte Störung, weil nun in Österreich zwei Frauen miteinander verheiratet gehalten werden. Sie waren als Frau und Mann miteinander verheiratet, aber der Mann wurde zur Frau, und nun stehen Gott und Mozart da, denn der Oberste Gerichtshof verbat, dass der sture Staat seine Maschine laufen lässt, und nun ist die Sturheit gestört und der Staat muss darüber denken. Natürlich ist der Palm gar kein Feind, sondern er war in meinem ganzen Leben der einzige Mensch, der mich verwendete. Und nun schmachte ich den Rest meines Lebens danach, noch einmal verwendet zu werden. Will aber eigentlich nicht, sondern will daheim liegen und speisen, habe aber kein Geld. Ich verwese meine Tage wie meine Mäuse in etwa, von Palm ganz zu schweigen. Wir gehen nie fort miteinander, pflegen keinen Umgang. Ich lese ja so wenig Zeitung, dass mir erst auf der Straße ein Passant erzählte, dass der Kurt eben seit 1. Jänner im Standard kokolumniert.

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