Fragen sie Frau Andrea

Unser lieber Dr. Specht

Stadtleben | aus FALTER 29/06 vom 19.07.2006

Sehr geehrte Frau Andrea,

vor einigen Wochen konnte man im "Falter" im Zusammenhang mit "Birdwatching" die Formulierung "mein lieber Specht" lesen. Seitdem frage ich mich, wieso ausgerechnet der Specht "lieb" sein soll. Jener in meiner Nachbarschaft raubt mir jedenfalls den Vormittagsschlaf. Der bunte Vogel klopft nicht nur auf morsches Holz, sondern macht auch Löcher in die Wärmedämmungsfassade meines Hauses. Das ist doch böse, oder? Wieso macht er das und was kann ich dagegen tun?

Bodo Bodenberger, Wien Hernals

Lieber Bodo,

der buntgefiederte Freund von Bugs Bunny und Daffy Duck ist nicht zu unrecht die anthropomorphe Comicfigur mit dem meisten anarchistisch-destruktiven Potenzial. Erfunden wurde der hysterisch lachende Clownvogel von Hollywood-Produzent Walter Lantz und seiner Frau Gracie. Als Frischvermählte wurden die beiden von einem Buntspecht heimgesucht, der dicke Löcher in das Dach des kalifornischen Blockhauses hämmerte, in dem sie gerade flitterten. Moderne österreichische Spechte gefallen sich darin, große Schlafhöhlen in stinknormale Ziegelbauten zu bohren. Krustigen Rauputz halten die bösen Klopfer irrigerweise für Rinde, das drunterliegende Dämmmaterial für morsches Holz. Abhilfe gegen die knatternden Nervtöter bieten glatte Fassaden, allerlei vogelscheuchendes Plastik und tonnenweise Alugirlanden. Sollte das nichts helfen, könnte ich mir vorstellen, den hysterischen Lacher von Woody Woodpecker vom Band zu lassen.


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