ORF-Untersuchung

Schlangennest am Küniglberg

Medien | aus FALTER 29/06 vom 19.07.2006

Es ist amtlich: Der ORF ist eine Schlangengrube. Vergangene Woche musste die Feuerwehr gleich zweimal ausrücken, um Äskulapnattern am Küniglberg einzufangen.

Die Schlangenplage ist nicht das Einzige, was Fernsehmitarbeiter momentan beschäftigt. Nach massiver Kritik gegen ORF-Chefredakteur Werner Mück, er habe missliebigen Journalisten mit dem "beruflichen Umbringen" gedroht, die Regierung in der Berichterstattung bevorzugt und sich gegenüber weiblichen Angestellten sexistisch geäußert, prüft eine "Untersuchungsgruppe" diese Vorwürfe. An die zwanzig ORFler haben bislang vor dieser Gruppe ausgesagt - davon nur ein Einziger pro Mück. "Ich hatte den Eindruck, dass diese Untersuchungsgruppe sehr gewissenhaft vorgeht", sagt ein Redakteur, der gegen Mück ausgesagt hat, "es wird alles sehr sorgfältig protokolliert".

Vergangene Woche wurde der Chefredakteur erstmals mit den Vorwürfen gegen seine Person konfrontiert. Bis nach 19 Uhr musste Mück Rede und Antwort stehen. Am Montag tagte das Gremium wieder von in der Früh weg. Mück selbst soll im Laufe dieser Woche ein zweites Mal befragt werden. Bis zum 28. Juli muss Generaldirektorin Monika Lindner ein Endbericht vorgelegt werden, sie wird dann dem Stiftungsrat berichten. Der Stiftungsrat hat bald auch etwas anderes zu tun: Er muss am 17. August entscheiden, ob er Lindner nochmals zur Generaldirektorin und Mück zum Chefredakteur wählt.

Nun macht ein neues Gerücht am Berg die Runde: Die SPÖ soll mit der ÖVP vereinbart haben, einer Wiederwahl Lindners zuzustimmen, wenn im Gegenzug für Karl Krammer, SPÖ-Stiftungsrat und Büroleiter des früheren Bundeskanzlers Franz Vranitzky, der Posten des ORF-Generalsekretärs eingeführt werde. "Absoluter Blödsinn", sagt Krammer dazu, "ich würde meiner Partei auch von so einem Deal abraten". N. H.


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