Fremd und frei

Stephan Steiner | Kultur | aus FALTER 29/06 vom 19.07.2006

Fred Wander (1917-2006) Erinnerungen an den Wiener Schriftsteller und Geschichtenerzähler, der Auschwitz überlebte, in die DDR übersiedelte und vergangene Woche in Wien gestorben ist.

Wenn ich in mich hineinhorche, kann ich Freds Stimme deutlich hören. Er spricht ein präzises Deutsch, wie er es in der DDR brauchte, um verstanden zu werden, aber auch ein Wienerisch, wie er es in der Welt der proletarisierten Kleinbürger gelernt hatte. Und manchmal spricht ein jiddisches Einsprengsel aus ihm, ein Wort, ein Witz. Aber nichts und niemand spricht mehr.

Wenn er einen ansah, strahlte er eine große Zärtlichkeit aus. Für das Dasein, für den Augenblick, für das Gegenüber. Er spitzte seine Ohren, war neugierig, wollte wissen, mit wem er da zusammensaß. War empathisch. In den Nachkriegsjahren hatte er all dieses Vermögen, all dieses Talent zum In-der-Welt-Sein als Reporter genutzt, im Alter öffnete es ihm die Herzen. Menschen, die seine Urenkelinnen und Urenkel hätten sein können, verloren

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