VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 30/06 vom 26.07.2006

Aus unseren frühen Jahren, als wir die Zeitschriften teilweise noch selbst zu den Verkaufsstellen transportierten, kannten wir die Angehörigen dieses Berufsstands als - wie soll man sagen - Anhänger einer Weltanschauung, die der unseren diametral widersprach. Eh klar, Kriegsveteranen, Krone-Leser und dem Dienstleistungsgedanken abholde Existenzen, für die ein freundlicher Gruß einen schweren Bruch des Verhaltenskodexes dargestellt hätte. So ein Trafikant schrieb uns?

"Als Falter-Leser der ersten Stunde wäre ich froh, des Öfteren die Worte "Falter + Smart" zu hören: Üblicherweise werden Kleinformate, etwa jenes, dessen Herz Österreich gehört, zusammen mit der neuen Yuppie-Sorte Memphis light verlangt! Der durchaus verständliche Schritt zum dynamischen Geschäftsmann (zur dynamischen Geschäftsfrau) hat aber auch eine andere Seite. Die Trafik (von arabisch tafriqu, was so viel heißt wie handeln) ist neben ihrer Funktion als Sucht-und Sehnsuchtsverteilungsstelle auch Steuereinheber (oder würden Sie den Verkauf von Stempelmarken mit 2% Provision als Geschäft betrachten?), Auskunftsbüro (z.B. für Bingonummern oder andere Spiele) und Wechselstube (Kennen S' ma an Tausenda wechseln?) und damit das Kommunikationszentrum! Konkurrenz bedeutet daher für die Trafikanten nicht die in anderen Branchen übliche Preiskonkurrenz, er beweist seine ,Geschäftstüchtigkeit' mehr im Umgang mit seinen Kunden. Damit zeichnet sich der freundliche Trafikant durch die Bereitstellung von Befeuchtungsschwamm und Kugelschreiber aus (zum Autor - es war Othmar Pruckner, Red. - : Danke für den ausgezeichneten Bericht)."

Ja, die Zeit ändert viel. Dahin sind Stempelmarken, Raucherfreude und Schwämmchen. Der Autor, Thomas Blimlinger, ist noch Trafikant, aber seit einiger Zeit besser bekannt als grüner Vorsteher des siebten Gemeindebezirks. A. T.


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