ANDROSCH UND GRASSER

Gleichen sich die Bilder?

Politik | aus FALTER 30/06 vom 26.07.2006

Lernen Sie Geschichte!": Hannes Androsch kontert ausgerechnet mit einem Zitat seines einstigen Förderers und späteren Gegners Bruno Kreisky, wenn er sich dieser Tage mit Karl-Heinz Grasser vergleichen lassen muss. Dieses Unglück widerfuhr dem Großindustriellen, der von 1970 bis 1981 selbst Finanzminister war, zum Beispiel vergangene Woche im Kurier. Von einem "Androsch-Syndrom", an dem auch Grasser leidet, schrieb da die Kommentatorin Anneliese Rohrer: "Die Faktoren: große Popularität mit Anfang dreißig, wenig Erfahrung, devote Umgebung, fehlendes Korrektiv, Macht-und Unangreifbarkeitsfantasien, fehlendes Unrechtsbewusstsein, Realitätsverlust, Maßlosigkeit, Rechtfertigungszwang." Auch Androsch stand seinerzeit wegen Unvereinbarkeiten in der Kritik: Als Finanzminister war er justament an einer Steuerberatungskanzlei beteiligt. Ähneln sich die Bilder, wie Rohrer schreibt, tatsächlich? "Der Vergleich entbehrt jeder faktischen Grundlage", ärgert sich Androsch. "Wir waren bei Amtsantritt gleich alt - aber das war's auch schon." Der Industrielle will die Debatte um den Nachnachnachfolger nicht kommentieren; seine eigene Affäre, die immerhin in eine Verurteilung wegen Steuerhinterziehung mündete, sei im Kern jedenfalls ein Machtkampf mit Kanzler Kreisky gewesen: "Die Sache war von A bis Z getürkt." Was die politischen Resultate betrifft, kann der nunmehr 68-jährige Sozialdemokrat erst recht keine Gemeinsamkeiten entdecken. "Während meiner Zeit gab es maximal 60.000 Arbeitslose, jetzt sind es de facto 400.000", sagt Androsch. "Damals war das Land auf der Überholspur, heute steckt es auf der Kriechspur."


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