470 Seiten Gehacktes

Kultur | Jörg Magenau | aus FALTER 30/06 vom 26.07.2006

LITERATUR Im neuen Buch von Marlene Streeruwitz kollidiert die private Krise einer Frau mit dem U-Bahn-Attentat in London. Doch "Entfernung." ist mehr Befindlichkeitsprotokoll als Gesellschaftsroman.

Letztlich ist alles im Leben eine Frage der richtigen Entfernung. Manche leiden mehr als nötig, weil ihnen das Erlebte so nahe geht, dass sie sich nicht dagegen wehren können. Andere verharren in souveräner Distanz und verpassen dadurch intensivere Gefühlsmomente. Selma, die Hauptfigur in Marlene Streeruwitz' Roman "Entfernung.", schwankt zwischen beiden Erlebensarten: "Sie kam immer zu nahe. Oder war gleich ganz weit weg. Sie war zu offen. Sie drängte sich auf." Ihr Umarmungsbedürfnis ist so groß wie ihre Unberührbarkeitssehnsucht. Weil aber beides zusammen nicht geht, kann sie nur unglücklich sein. Dass sie sich in ihrem Dauerunglück als Opfer empfindet, als weibliches zumal, macht sie zu einer typischen Streeruwitz-Figur. "Ihre Tragödie hatte sie ihr Geschlecht gekostet", heißt


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