Genre über Bord

Kultur | Michael Pekler | aus FALTER 30/06 vom 26.07.2006

FILM Der zweite Teil der Seeräuberpistole "Pirates of the Carribean" bestätigt nur eine längst bekannte Diagnose: Der Piratenfilm ist tot.

Wie kaum ein anderes Filmgenre lebt der Piratenfilm ausschließlich von seinem Schauwert. Er profitiert von der puren Lust am Zusehen, der Akrobatik seiner Helden und der Exotik seiner Schauplätze. Doch eines leistete der Piratenfilm nie: Gesellschaftliche oder politische Einflüsse fanden seit jeher nicht im kleinsten Segel eine Angriffsfläche. Das Inventar des Subgenres ist seit dem Ersten Weltkrieg so unbeweglich, dass gerade deshalb ständig geturnt, gekraxelt und gesäbelt werden muss. Die Piraten sind Ausgestoßene der Zivilisation - äußere Kennzeichen: habgierig, imperialistisch, weiß gepudert -; das Piratenschiff stellt die kleine Freiheit dar, in der nur die eigenen Regeln gelten. Deshalb war das bunte Treiben auf der Takelage schon immer eine Parallelwelt, Schotten zum wirklichen Leben blieben selbst in der Blütezeit des Piratenfilms


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