KUNST KURZ

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 30/06 vom 26.07.2006

Chinesische Kunst findet zurzeit reißenden Absatz, es herrscht eine regelrechte Goldgräberstimmung gegenüber den Künstlern der aufstrebenden Wirtschaftsmacht. Noch bevor im September in der Sammlung Essl die Ausstellung "China Now" eröffnet, präsentiert die Galerie Bleich-Rossi den in Amerika lebenden Chinesen Gang Zhao (bis 16.9.). Etliche der figurativen Gemälde scheinen schwer datierbar. Gang Zhao spielt mit Reminiszenzen an den sozialistischen Realismus, etwa wenn er einen Soldaten mit roter Armbinde in der Hitze des Gefechts malt. Höchstwahrscheinlich musste der Künstler solche Sujets darstellen, ehe er Anfang der Achtzigerjahre sein Land verließ. Gang Zhaos aktuelle Bilder behandeln selbst miterlebte chinesische Geschichte und die Auswirkungen einer Ideologie, die, wie er im Katalog meint, aus dem Westen stammt. Die politische Nutzbarmachung von Kunst wird hier ebenso angesprochen wie ihr Potenzial als kritisches Bildarchiv. Dementsprechend finden sich in der gelungen zusammengestellten Schau Scherenschnitte mit propagandistischen Motiven neben Gemälden, die Repression in Form von Verhaftung oder Lenin vor einem Atompilz zeigen.

Geglückte politische Inszenierungen sprechen bereits Vorhandenes im kollektiven Unbewussten an und graben sich gleichzeitig als Botschaft darin ein. Das Künstlerduo G.R.A.M. stellt für seine Ausstellung "Global Players" solche Bilder der Macht nach. Beim Betreten der Christine König Galerie (bis 5.8.) wird man förmlich erschlagen von einem riesigen Poster, für das ein nordkoreanisches Propagandasujet von Kim Jong II im Kornfeld als Vorlage diente. Ein anderes Foto zeigt G.R.A.M. im Wasser, womit sie an Mao erinnern, der durch Schwimmen im Yangtze sein Volk von seiner ungebrochenen Fitness überzeugte. Ob als Lenin, Tito oder VW-Manager, G.R.A.M. reproduzieren enthusiastisch dominante Posen. Außer der ironischen Haltung kommuniziert ihr Rollenspiel aber enttäuschend wenig.


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