STADTRAND

Friendly Nasenloch

Stadtleben | aus FALTER 30/06 vom 26.07.2006

An manche Dinge gewöhnt man sich als zugezogenes Landei nie. Egal, wie lange man schon in Wien ist und wie sehr man sich hier zu Hause fühlt. Das Benehmen von im Supermarkt arbeitenden Menschen ist zum Beispiel noch nach jahrelanger Abhärtung verstörend. Das Augenrollen der Kassiererin als Antwort auf die höfliche Bitte, eine weitere Kassa aufzumachen, steckt man noch irgendwie weg. Wenn dann aber die zweite Supermarktfrau mit überschlagender Stimme die Kundschaft wissen lässt, dass sie es hasst, an der Kassa zu stehen, dann ist das für assimilierte Provinzler zu viel. Das kann man doch nicht machen! Jeder hat einmal einen schlechten Tag, eh klar, und der Job ist hart und schlecht bezahlt. Trotzdem, man muss sich doch ein bisschen zusammennehmen! In Vorarlberg sind die Menschen immer freundlich. Manche sogar überfreundlich, was auch ziemlich nervt, aber egal, im Ländle bewahrt man gegenüber Fremden die Fassung. Dafür hat man hinterm Arlberg sogar einen eigenen Begriff: "Freundliche Nasenlöcher machen" heißt das. Liebe Wiener, probiert das doch einmal, es ist gar nicht so schwer. M. S.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige