Fragen Sie Frau Andrea

ZYLMURBAFI

Stadtleben | aus FALTER 30/06 vom 26.07.2006

Liebe Frau Andrea,

der Aufzug des Hauses, in dem ich wohne, stammt aus dem Jahr 1908. Darin findet sich ein altes Schild, das sowohl den Hersteller nennt als auch dessen Telefonnummer. Sie lautet: "B 22 4 25". Wie darf ich dieses vorangestellte "B" verstehen? Und wann verschwanden die Buchstaben wieder aus den Wiener Telefonnummern?

Vielen Dank im Voraus!

Carsten Fastner, Neubau

Lieber Carsten,

öffentliches Fernsprechen in der Zeit vor der Einführung europäischer Lebensstandards war hierzulande untrennbar mit Telefonschilling, Zahlknopf und der nach Pisse stinkenden Telefonzelle verbunden. In Wien ein eigenes Telefon zu bekommen war einer Lotterie nicht unähnlich, und selbst mit Bakschisch reichte es selten zu mehr als einem Vierteltelefon (ein Anschluss, den wir uns mit drei Wildfremden teilten). Heimische Bakelitapparate waren schwer und schwarz wie die Bundeskanzler dieser Zeit. 1927 wurde das fünfstellige Nummernsystem auf eines mit vorangestelltem Buchstaben ersetzt. Internationale Telefone dieser Zeit hatten Wählscheiben, auf denen, wie heute noch auf Handys üblich, den Ziffern von 1 bis 0 Buchstabentripletts zugeordnet wurden. Telefonnummern waren leicht merkbare Kombinationen aus kurzen Wörtern und Ziffern. Nicht so in Wien, wo man die selten geniale Idee hatte, den zehn Ziffern die Buchstabenfolge IFABRUMLYZ (verkehrt gelesen: ZYLMURBAFI) zuzuweisen. Das B in der Nummer ihres Aufzugs war also die Ziffer 4. ZYLMURBAFI war bis in die frühen 60er in Verwendung.


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