PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Peter Alexander im Hegelhof

Stadtleben | aus FALTER 30/06 vom 26.07.2006

... Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierher gekommen? ...

Joh 6,24-35 (Evangelium am 18. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres B)

Gestern habe ich Peter Alexander im Schanigarten des Café Hegelhof in der Johannesgasse ausgemacht. Er saß am Nebentisch, hatte eine Glatze, wo rundherum noch graues Haar ranftelte, und trug eine schwere Sonnenbrille, obwohl er achtzig war und unentwegt auf eng bedruckte Blätter starrte. Also er hätte es sein können, träume ich heute. Ich war der, der am Nebentisch saß und einen Tee ohne Beutel bestellte, ihn aber nicht kriegte, weil sie so was nicht führen. Nämlich vorgestern war im Fernsehen eine fünfstündige Sehnsucht der Leute, Peter Alexander doch noch zu erleben. Aber Alexander saß lieber am Tag danach neben mir im Hegelhof!

Gegen Sommerende musst du im Hegelhof sitzen. Das ist doch wundervoll: Alle gehen irgendwo auf Sommerfrische, aber Peter Alexander geht als Harun al Rashid durch Wien und setzt sich ins Hegelhof neben mir, der ich sterbe vor Sehnsucht, im Fernsehen die Tröstungen der heiligen Religion erteilen zu können. Er will um alles in der Welt nie wieder im Fernsehen erscheinen, und ich um alles in der Welt würde gern, werde aber nicht zugelassen, insgeheim aber lieben wir uns im Hegelhof. Denn am Vorabend war Alexander doch noch zehn Minuten zu sehen, der Ringelmann hat ihn so sehr bekniet, dass er sich ans Klavier setzte und ein bisschen was summte. Also er erscheint völlig intakt, nur unendlich traurig, und ich saß vorm Bildschirm und weinte mit. Und am nächsten Tag setzte er sich am Nebentisch, unerkannt von allen strolcht er durch Wien. Ein wunderbares Spiel eines Menschen, der doch so viel Geld haben dürfte, dass er nicht ins Fernsehen muss, während ich aber so sehr hungere, dass ich mich fast nicht halten konnte. Wenn er ein Wort gesagt hätte, hätte ich ihn nicht angebettelt, um nichts in der Welt hätte ich ihn angebettelt. Ich hätte ihn unendlich liebkost und alle Liebe ausgedrückt.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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