VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 31/06 vom 02.08.2006

Genau genommen müsste man aus einem ausführlichen Interview zitieren, das der Falter hatte. Der Philosoph Günter Anders, seit 1950 wieder in Wien wohnhaft, "nicht religiös und doch Jude", wie der Vorspann meldete, legte in einem Gespräch, das er mit sich selber führte, dar, warum er sich schämen müsste, "Waldheim als den moralischen Repräsentanten des Staates anzuerkennen". Auf den Anders-Text und auf die Konsequenzen, die der Philosoph, "seit 60 Jahren als bewusster Antifaschist" lebend, aus der Wahl Kurt Waldheims zum österreichischen Bundespräsidenten zog, kommen wir noch zurück, versprochen.

Nicht zurückkommen werden wir auf vieles andere können, was sich vor 20 Jahren in einer einzigen Falter-Ausgabe tummelte. Zum Beispiel auf Felix Rufs berührenden Bericht vom Sterben Franz Kafkas in einem Sanatorium in Kierling bei Klosterneuburg. Auf einen Text von El Awadalla über die Arena. Oder auf einen frühen Leserbrief von Josef Fenz, besser bekannt als Hermes Phettberg. Der Wiener hatte Christoph Wackernagel um einen Text zu Karl Kraus' 50. Todestag gebeten (der Ex-RAF-Terrorist hatte sich in der Haft zum Krausspezialisten entwickelt) und eine Abfuhr erhalten, die in der taz und im Falter erschien. Nun berichtete Fenz dem Falter-Publikum, der Wiener habe Kraus nicht einmal im Original zitiert, sondern aus zweiter Hand, und ihm zum Jubiläum in einem kurzen Gedicht zwei Beistrichfehler untergejubelt. "Die Dämlichsten dort haben Kraus das größte Geburtstagsgeschenk gemacht, das er sich nur wünschen könnte", jubelte Fenz.

Der Falter hingegen jubelte über folgende Erwähnung im Magazin New Yorker (vom 30. Juni 1986): "In the end profil and one Salzburg Paper, Salzburger Nachrichten, asked that Waldheim withdraw from the campaign. An alternative paper called Falter gave all the reasons why he should withdraw from it. The rest of the press ..." A.T.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige