STANDPUNKT

Billiges Rauskaufen

Politik | aus FALTER 31/06 vom 02.08.2006

Liebe Kinder mit Downsyndrom und gutgelaunte Rollifahrer, so idyllisch ist die Welt der Menschen mit Behinderung - das erklären sie uns zumindest immer bei "Licht ins Dunkel". Die Realität behinderter Menschen in Österreich hat aber nichts mit dem vorweihnachtlichen Rührseligkeitsfernsehen zu tun. Jetzt belegt eine neue Statistik, dass sich viele Firmen und sogar die öffentliche Hand noch immer davor drücken, behinderten Menschen Jobs zu geben. 2005 war mehr als ein Drittel der gesetzlich vorgesehenen Pflichtstellen für Leute mit Handicap unbesetzt. Dabei müsste jeder Arbeitgeber pro 25 Mitarbeiter einen behinderten Menschen einstellen. Doch Privatfirmen, Ministerien und Unis ziehen es vor, sich mit der "Ausgleichtaxe" billig aus ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung rauszukaufen - nämlich mit günstigen 206 Euro pro Monat. Eine bequeme Lösung für die Wirtschaft, die daran schuld ist, dass die Zahl der Behindertenarbeitsplätze seit zehn Jahren stagniert. Da hilft den Betroffenen auch das Behindertengleichstellungsgesetz nichts, das sie vor Ausgrenzung im Privat-und Arbeitsleben schützen soll. Solange Gesetze nicht mit harten Begleitmaßnahmen exekutiert werden, können sich die Leute für ihre Rechte nämlich nichts kaufen. Ihnen würde nur etwas zu einem Job verhelfen: wenn die Ausgleichtaxe so empfindlich erhöht wird, dass Behindertenbeschäftigung plötzlich "wirtschaftlich" ist. J. O.


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