Der Albtraum Europas

Politik | Gerald John / Ostslowakei | aus FALTER 31/06 vom 02.08.2006

ROMA An der Ostgrenze der EU vegetiert ein Volk in Slums, trister als manche Armenviertel der Dritten Welt. Die Roma kommen mit den Regeln einer fremden und feindseligen Gesellschaft nicht zurande. Europa schickt Millionen. Doch von Fortschritt ist wenig zu sehen.

Riech einmal, das stinkt": Jaroslav Kirvei, mächtiger Schnauzer, verdrecktes Leiberl, steht im Morast vor einer Ruine und hält seinem Gast ein Glas unter die Nase. Die gelbliche Brühe hat er aus einem Loch geschöpft, auf dem ein rostiges Blech liegt. Kaum ein Dorfbewohner sonst ist noch auf einen Brunnen angewiesen, seit das 21. Jahrhundert endlich auch BezÇovce, einen Steinwurf von der ukrainischen Grenze entfernt, eine Wasserleitung bescherte. Das Rohr führt direkt an Kirveis Heim vorbei. Anschluss bekam er keinen.

Bezovce in der Ostslowakei ist ein idyllischer Flecken. Die Zivilisation hat dem Land hier noch nicht so tiefe Narben geschlagen wie im Westen. Holprige Straßen schlängeln sich durch Alleen blühender Obstbäume,


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