KUNST KURZ

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 31/06 vom 02.08.2006

Wenige Wiener Museen bieten eine ähnliche Menge an Ausstellungen wie das Mak. Auch wenn es sich dabei häufig um kleinere Präsentationen in den Museumsabteilungen handelt, sind die Mak-Kustoden doch überaus aktiv. Es zahlt sich nicht nur aus klimatischen Gründen aus, dieser Tage in den Museumskeller hinabzusteigen.

In der Mak-Galerie werden die Raumutopien des französischen Künstlers Yves Klein (bis 24.9.) vorgestellt. Klein träumte von einer Architektur aus Naturelementen wie Wasser, Feuer oder Wind. Die materielle Bausubstanz sollte buchstäblich in den Untergrund weichen, um Platz für Feuersäulen und Wasserwände zu machen. Auf Kleins Skizzen tummeln sich nackte Menschen in paradiesischem Ambiente, während subterrane Blasen und Röhren als Wohnräume fungieren. Seine charmante Verrücktheit eines "Winddaches" ließ sich der Künstler sogar patentieren.

Weiter geht's zu Schmuckentwürfen von Dieter Roth (bis 29.9.). Welche Erleichterung, dass Roths Ringobjekte nicht aus verschimmeltem Käse oder Schokolade, beliebten Werkstoffen des Künstlers, bestehen. Nein, gemeinsam mit einem Juwelier hat Roth in den Siebzigerjahren richtig tragbaren Damenschmuck geschaffen, der mal an Stahlindustrie, mal an Memphis Design erinnert. Für die Ringe gibt es Aufsätze wie kleine Hüte, weswegen die Schau "Chapeau!" heißt. Was einst wohl recht ausgefallen war, siedelt heute nicht weit vom Mainstream zeitgenössischer Schmuckkunst.

Schön auch "Frei schwingen", eine Auswahl an Wippstühlen aus der Möbelsammlung. Das Urmodell hängt an der Wand: Mart Stam entwarf 1923 den witzigen "Gasrohrstuhl", bald folgten ernsthafte Stahlrohrsessel von Mies van der Rohe und Marcel Breuer. Jetzt stehen sie alle zusammen, Verner Pantons knalliges Teil neben dem strengen Hochlehner von Ron Arad, Colanis "Schlaufenstuhl" bei Rietvelds hölzernem "Zig-Zag". Nur schade, dass man nicht kurz mal die Schwingweiten testen darf.


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