OHREN AUF!

Swingen wie Zizou

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 31/06 vom 02.08.2006

The programm we are listening to is free jazz", lautet die Ansage. Das hätten wir auch so gemerkt, macht aber nix. Es waren wilde Zeiten damals, im Oktober 1971, als Joe McPhee & Survival Unit II in New York "At WBAI'S Free Music Store" (hatOLOGY) auftrat und im Radio übertragen wurde: Der Vietnamkrieg tobte, und die blutige Niederschlagung der mit Geiselnahmen einhergehenden Unruhen im Attica State Prison hatte gerade 40 Menschenleben gekostet. Die (tontechnisch alles andere als astreinen) Aufnahmen sind denn auch ein Spiegel der Zeit: Ziemlich unorthodox besetzt (kein Bass, dafür Clifford Thornton am Baritonhorn), schrammt der Großteil der Stücke an der Viertelstundengrenze, selbst die Ballade "Song for Lauren" wird ziemlich hitzig und leidenschaftlich. McPhee hat am Tenorsaxofon, das auf "Black Magic Man" in vielerlei Zungen spricht, stark an John Coltrane erinnernde Momente: "Nation Time", das auch noch Assoziationen an Miles Davis' "So What" wachruft, ist aber ganz anders organisiert:


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