Fragen Sie Frau Andrea

Heliotrop

Stadtleben | aus FALTER 31/06 vom 02.08.2006

Liebe Frau Andrea,

seit Tagen will mir das Wort Heliotrop nicht aus dem Sinn gehen. So heißt ein Halbedelstein, den ich am Flohmarkt erstanden hab. Wieso heißt der Kiesel so, wo doch Heliotropismus die Fähigkeit der Sonnenblumen bezeichnet, sich nach der Sonne zu drehen? Der Stein kann das doch wohl nicht auch?

Felicitas, Döbling

Liebe Felicitas,

der Name Heliotrop stammt aus dem Griechischen und ist aus den Wörtern helios (Sonne) und trepein (wenden) zusammengesetzt. Heliotrop (Sonnenwende) heißt denn auch eine knallviolett blühende Balkon-und Gartenblume, die ihre großen, lanzenförmigen und leicht behaarten Blätter nach der Sonne dreht. Von der ihr im Mittelalter zugesprochenen Verwendung als Heilkraut darf abgeraten werden, weil die Pflanze Alkaloide enthält, die als Lebergifte gelten. Ungefährlicher ist der Edelstein Heliotrop, ein grüner Verwandter des Feuersteins, dessen rote Jaspiseinsprenkelungen man einst für das Blut Christi hielt. Am grünroten Stein haftet Wachs nicht, weshalb der Heliotrop graviert und als Siegelstein verwendet wurde. Seinen Namen hat der matte Kristall zwar aus dem Griechischen, das überlieferte mit der Bezeichnung "Sonnenwender" allerdings eine wesentlich ältere ägyptische Tradition. An den Ufern des Nils wurde dem Heliotrop die magische Kraft zugesprochen, nichts weniger als die Sonne zu wenden und fruchtbaren Regen herbeizuzaubern. Wann dessen Tropfen rot waren, kann man bei Moses nachlesen.


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