Fragen sie Frau Andrea

Cuba Libre

Stadtleben | aus FALTER 32/06 vom 09.08.2006

Liebe Frau Andrea,

seit langem plagt mich folgender Fragenkomplex, jüngst aktiviert durch Fidel Castros Gesundheitsprobleme. Beim Volksstimmefest (der damals reichen KPÖ) wurde immer Cuba Libre, gemixt aus Cola und Rum, ausgeschenkt. Nun ist Coca-Cola DAS Getränk des Kapitalismus. Meint der Name "Freies Kuba" ein Kuba frei vom Kapitalismus? Warum dann Cola? Oder handelt es sich um eine Verschwörung der Exilkubaner, die Kuba mithilfe von Coca-Cola vom Kommunismus befreien wollen? Sind die Volksstimmefestcocktailausschenker einem Schwindel aufgesessen? Und ist das ganze Problem nicht schon längst hinfällig, weil inzwischen alle Caipirinhas trinken?

Thomas Klausner, Wien

Lieber Thomas,

Cuba Libre wurde 1900, nach dem Ende des spanisch-amerikanischen Kriegs, von amerikanischen Soldaten in einer Bar in Havanna erfunden. Ein Captain des US Signal Corps soll ein Glas Bacardi on the Rocks mit Cola und einer Limettenspalte bestellt haben und mit seinem Sonderwunsch andere Soldaten angesteckt haben. Bei der nächsten Runde des neuen Mixes soll ein Soldat mit dem Satz "¡Por Cuba Libre!" angestoßen haben. Dieses freie Kuba war aber de facto eine Unterwerfung des gerade noch spanischen Kubas unter die USA, weswegen das Getränk auch "Mentirita" (kleine Lüge) genannt wird. Strenggenommen ist es nahezu unmöglich, echten "Cuba Libre" zu trinken, weil kubanischer Rum in den USA bis heute illegal ist und Coca-Cola wegen der Wirtschaftsblockade nicht nach Kuba ausgeführt werden darf.


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