Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 32/06 vom 09.08.2006

Wie versprochen, zitieren wir hier einige Sätze aus einem Gespräch, das der Philosoph Günther Anders aus Anlass der Wahl Kurt Waldheims mit sich selbst geführt hatte und das er im Falter veröffentlichen ließ. Indirekter Anlass war, dass Anders sich nach Waldheims Wahl weigerte, seine nach dem "Staatspreis für Kulturpublizistik und dem Preis der Stadt Wien für dasselbe, angeblich von mir behandelte Thema (in Wahrheit habe ich nur Barbareipublizistik betrieben) dritte österreichische Ehrung" anzunehmen, nämlich an einer in Drosendorf geplanten Tagung über seine Schriften und Aktivitäten teilzunehmen.

Anders über Waldheim: "Ich meine, dass er sich nicht im Mindesten geniert, andere mithilfe von antisemitischen Wörtern für sich arbeiten zu lassen. Er selbst hat sich dieser Wörter wohl enthalten. Seine eigenen Lippen hat er nicht beschmutzt, sich aber von denen, die mittels Judenhetze für ihn die Werbung durchführten, sehr gern zum Triumph tragen lassen. Was ihn freilich nicht davon abgehalten hat - denn den Luxus der Unzweideutigkeit hat er sich noch nie geleistet -, nach seinem Triumph noch scheinbar prosemitische, mindestens Juden tolerierende Wörter zu finden."

Und zur Frage, warum Waldheim tatsächlich die Mehrheit errang: weil er durch seinen Aufstieg zum UN-Generalsekretär "allen damals Gleichgeschalteten bewiesen zu haben scheint, wie recht es damals in der Nazizeit gewesen war, wie recht man damals getan hatte, mitgemacht zu haben, und wie recht es heute ist, dieses Mitgemachthaben nicht zu bereuen, und wie berechtigt, es als Pflichterfüllung anzusehen ... Und wer nicht endlich aufhört mit dem ,Gerede über Auschwitz und so', der beweist damit nur, dass er nicht, wie man selbst, ,das Geschehene liebend vergessen und verzeihen kann' - so sprechen die Nachkommen der Mörder über die und zu den Restjuden, die zufällig, wie ich, an Auschwitz vorbeigekommen sind." A. T.


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