"Kein Kommentar"

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 32/06 vom 09.08.2006

Film Mit "Viva Zapatero!" antwortet die Italienerin Sabina Guzzauti auf Michael Moore.

Wenn die Politik immer mehr zum Kabarett verkommt, müssen Kabarettisten dann Politik machen? Ja, meint Sabina Guzzauti, die italienische Erzkomödiantin, deren Satiresendung 2003 gleich nach der Erstausstrahlung auf Druck der Mitte-rechts-Regierung Berlusconi von der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt RAI aus dem Programm gekippt wurde. Begründung: "RAIot" sei eben keine satirische Sendung, sondern eine politische.

"Viva Zapatero!", der Film, den Guzzauti über diesen einen "Zensurfall" unter vielen gemacht hat, ist Italiens Antwort auf Michael Moore und "Fahrenheit 9/11". Leider. Denn anstatt Medienkritik zu betreiben, stellt auch Guzzauti sich lieber selbst in den Mittelpunkt und setzt auf Inflation von Titelinserts und Schlagzeilen statt auf Analyse, ohne allerdings je die polemische Schärfe von Moores grantigen One-Man-Shows zu erreichen. Sie schlüpft in die Maske von Silvio Berlusconi, plaudert mit Dario Fo und lauert Fernsehverantwortlichen auf der Straße auf; mehr als ein Achselzucken, ein genervtes "Kein Kommentar" oder die Bitte, ihrem Vater (Paolo Guzzauti, Senator der Forza Italia) schöne Grüße zu bestellen, schaut dabei freilich nicht heraus.

Interessanter sind die Ausschnitte aus französischen Satiresendungen wie "People Fiction" (in der eine Chirac-Puppe wegen gebrochener Wahlversprechen einfach weggefiedelt wird) oder der Kommentar eines Redakteurs des britischen Economist, der meint, Berlusconi sei von der Opposition in Ermangelung eigener Visionen "erfunden" worden. In puncto Pressefreiheit jedenfalls rangiert Italien laut einer NGO-Studie derzeit auf Platz 77 - hinter Taiwan, Bolivien, Israel und Osttimor.

Ab 11.8. im Village. Premiere am 9.8., 20.15 Uhr, im Filmcasino; anschließend Podiumsdiskussion "Was darf und was soll Fernsehen?" mit Mercedes Echerer, David Schalko, Florian Scheuba u.a.


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