Drei Zitronen

Kultur | Michael Pekler | aus FALTER 32/06 vom 09.08.2006

Film In "The Break-Up" wollen sich Jennifer Aniston und Vince Vaughn trennen. Gute Idee!

Eine der wichtigsten Grundregeln des partnerschaftlichen Zusammenlebens besagt, dass man nichts tun soll, weil es der andere von einem erwartet, sondern dass man das, was der andere will, dass man tut, auch selbst tun will. Ein Fallbeispiel: Wenn die Frau (Jennifer Aniston) den ganzen Abend in der Küche gestanden hat, während der Mann (Vince Vaughn) es gerade einmal geschafft hat, für das mehrgängige Menü drei Zitronen (statt des erforderlichen Dutzends) mit nach Hause zu bringen, dann wird von ihm erwartet, dass er wenigstens für den Abwasch Eigeninteresse bekundet. Sollte dies nicht der Fall sein, kann es beziehungsmäßig zum Eklat kommen.

Das allein ist freilich noch keinen Film wert; das weiß auch Regisseur Peyton Reed ("Down with Love"), weshalb in "The Break-Up" ("Trennung mit Hindernissen") nicht sein darf, was im Normalfall passiert: die räumliche Trennung. Keiner kann sich nämlich eine eigene Wohnung leisten, also mutiert das Wohnzimmer inklusive Playstation zur männlichen, das Schlafzimmer inklusive Spiegel zur weiblichen Reichshälfte.

Was hier nach Kampf der Geschlechter klingt, als Romantic Comedy im Stil von "Sex and the City" beworben wird und bei Doris Day und Rock Hudson wahrscheinlich noch für eine passable Pyjamakomödie gereicht hätte, wird bei Aniston und Vaughn zum Drama einer Beziehung, die es in Wirklichkeit nie gegeben hat: Tatsächlich sind die glücklichen, gemeinsamen Momente in Form alter Fotoerinnerungen mit dem Vorspann schon wieder vorbei. "Wie konnte es so weit kommen?", fragt Aniston nach eineinhalb Stunden und einer Reihe von (Selbst-)Demütigungen sehr zu Recht. Die richtige Antwort müsste lauten: wegen drei Zitronen.

Ab 11.8. in den Kinos (OF im Haydn).


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