Mit allen Ängsten abgefüllt

Kultur | Helmut Gollner | aus FALTER 32/06 vom 09.08.2006

Literatur Thomas Glavinics grandioser Roman "Die Arbeit der Nacht" lässt nicht nur den Protagonisten, sondern auch den Leser allein.

Thomas Glavinics neuer Roman ist ein nachhaltig beunruhigendes Buch. Es hat etwas von dem Wahnsinn, den Literatur braucht; wenn die Existenz ver-rückt wird, wird es eher möglich, sie wahrzunehmen. "Die Arbeit der Nacht" hat Besseres zu bieten als Wahrscheinlichkeit, Orientierung und Sinn: Authentizität. Wer es bisher noch nicht wusste, dem wird es durch diesen Roman nachdrücklich zur Kenntnis gebracht: Thomas Glavinic ist eine der allerwichtigsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.

Jonas erwacht, macht sich Kaffee, verfehlt das Brot und schneidet sich in den Finger; Fernseher kaputt, Computer gestört, Handy ohne Verbindung. Aber erst an der Bushaltestelle merkt er, was wirklich los ist an diesem 4. Juli: kein Mensch auf der Straße, keiner im Auto oder in den Wohnungen; Stille und Stillstand. Jonas ist absolut allein. Und bleibt es für

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