Kunst kurz

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 32/06 vom 09.08.2006

Es trug sich in der Folge einer Ausstellung 1977 im Künstlerhaus zu, dass die damals zuständige Ministerin Hertha Firnberg einen Leihvertrag mit dem deutschen Sammlerehepaar Ludwig abschloss. Hundert Werke internationaler Gegenwartskunst verblieben damals für zehn Jahre in Wien. 1981 wurde der Vertrag zur Gründung der Österreichischen Ludwig Stiftung unter Dach und Fach gebracht. Mit der Ausstellung "Review" feiert das Mumok nun dieses 25-Jahre-Stiftungsjubiläum (bis 26.11.). Seit 1981 zahlt die Republik Österreich jährlich 1,27 Millionen Euro in die Stiftung ein, wovon ein Teil angespart wird und der Rest ins Ankaufsbudget fließt. Dieser Vertrag läuft noch bis 2011, dann muss wieder verhandelt werden.

Neben der bunt gemischten Sammlungsrevue wird ein Schwerpunkt auf Joseph Beuys gelegt. Auch hier eine runde Zahl: Vor zwanzig Jahren starb der Künstler nur 65-jährig an Herzversagen. Schwarz verkohlt steht eine verbrannte Holztür von 1954 in der Ausstellung (bis 29.10.). Beuys fühlte sich von diesem Fundstück inspiriert, er hängte auf ihre Seite Hasenohren und den Skelettkopf eines Reihers. Die grafischen Arbeiten der Schau stammen aus der "Kölner Mappe", einem Konvolut, das einen Zeitraum von fast dreißig Jahren umfasst. Bei zwei gekritzelten Köpfen von 1945 darf man sich nicht täuschen: "Kämpfer" stellt keinen Sturzkampfflieger, sondern einen Torero dar. Die Schau vermittelt einen sehr persönlichen Eindruck, so als würde man dem Meister in seinem Atelier beim Kritzeln und gestalterischen Nachdenken zusehen. Zum provisorischen Gepräge tragen auch die Kuverts, Kalenderblätter, Stadtpläne oder Lieferscheine bei, auf die Beuys gezeichnet und gemalt hat. Die Aktion "Honigpumpe", die das Fließen des kreativen Prozesses symbolisieren sollte, wird mit Fotos und Tonbändern dokumentiert. Außerdem ist das Environment "Basisraum Nasse Wäsche" zu sehen, das auf eine Aktion in der Galerie nächst St. Stephan 1979 zurückgeht.


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