Presseschau

Medien | Gerald John | aus FALTER 33/06 vom 16.08.2006

Wer sich schon mit etwas über 30 richtig gealtert fühlen will, der kauft sich eine Ausgabe von Bravo. Gschamig gab sich das deutsche Pubertierendenmagazin zwar schon seinerzeit nicht, wenn es darum ging, Halbwüchsigen mysteriöse Begriffe wie "Petting" oder "Masturbation" zu erklären. In den Achtzigern beschränkte sich die Freude am Detail freilich auf die verbale Ebene, heute springen dem Leser Brüste und Penisse in voller Pracht entgegen. Teenies wie Clarissa ("Meine erste Liebe brachte mir Hausarrest!") und Thomas ("Meine Haare müssen immer stylisch sein") posieren da in neckischer Duschkabinenpose - die Fotos lassen darauf schließen, dass Intimbehaarung bei der Jugend von heute nicht sonderlich hohe Popularität genießt. Auch der unverwüstliche Fotoroman nimmt sich freizügiger als früher dem ewigen Thema "das erste Mal" an. Sätze wie, "Kondom hin oder her, Schatz - ich fürchte, ER ist nicht mehr so gut drauf" oder "Oh nein, ich darf nicht jetzt schon kommen!" hat uns Bravo in grauer Vorzeit nicht zugemutet. Oder, besser: nicht gegönnt.


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