Rot, weiß, tot

Kultur | Carsten Fastner | aus FALTER 33/06 vom 16.08.2006

MUSIKTHEATER Erwin Schulhoffs Don-Juan-Oper "Flammen" im Theater an der Wien.

Was ist nur aus Don Juan geworden? Des ewigen Verführens leid, flieht er in die Religion, in die Natur, zu Fausts Margarethe gar, dem Überweib. Alles vergebens, die Schatten der verblichenen Verführten verfolgen ihn. Bleibt der Tod - doch selbst der ist eine Frau, und die lässt ihren geliebten Juan nicht sterben.

Es steckt einiges von der erdrückenden Orientierungslosigkeit der Zwischenkriegszeit in Erwin Schulhoffs Tragikomödie "Flammen" (1928/32). Vor allem durch den psychoanalytisch geschulten Expressionismus des Librettos (Max Brod) wird das zum Problem. Parfümierte Sätze wie "Weißer Leib brennt rot von Blut" fallen zuhauf, und als Regisseur sollte man solch schwülem Symbolismus vielleicht doch etwas mehr entgegensetzen als Keith Warner mit seiner Inszenierung für den Klangbogen im Theater an der Wien. Von Es Devlin ließ er sich eine Bühne in, erraten, Weiß und Rot bauen, auf der er die überfrachtete Traumhandlung mit allerlei Symbolik nachstellt.

Interessanter ist es also, sich auf die Musik zu konzentrieren. Deren überbordender Ideenreichtum mag zwar bisweilen unbewältigt bleiben, doch Schulhoffs Virtuosität im Umgang mit unterschiedlichsten Einflüssen von der Gregorianik bis zum Jazz ist schlicht beeindruckend. Das gilt nicht unbedingt für die Solisten (Raymond Very, Iris Vermillion u.v.a.), umso mehr aber für das RSO Wien unter Bertrand de Billy, das mit dem musikhistorischen Parcours quasi en passant seine stilistische Bandbreite unter Beweis stellt.

Nach Warners tollem "Don Giovanni" und einer eher belanglosen Uraufführung ("Don Juan kommt aus dem Krieg") fand der Don-Juan-Schwerpunkt des Klangbogen mit "Flammen" also zumindest musikalisch einen überzeugenden Abschluss. Nur das inszenierte Blitzlichtgewitter beim Schlussapplaus war peinlich.

Noch am 17.8., 20 Uhr, im Theater an der Wien. Karten: www.klangbogen.at oder Tel. 588!85.


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