Ein Körper mit Moral


Klaus Nüchtern
Kultur | aus FALTER 33/06 vom 16.08.2006

LITERATUR In "Jedermann" lässt auch Philip Roth sterben - ohne transzendentes Trallala.

Philip Roth hat einen Roman über eine kurzsichtige koreanische Lesbe geschrieben, die in Stockholm auf die Liebe ihres Lebens trifft und mit dieser im Fischfang zu beachtlichem Reichtum gelangt, mit dem das glücklich gealterte Paar dann ein erfolgreiches Ökoprojekt für Einwanderer aus Drittweltländern ins Leben ruft.

Kleiner Scherz. In Wirklichkeit hat Philip Roth einen Roman über den Sohn eines hart arbeitenden jüdischen Schmuck-und Uhrenhändlers geschrieben, der qua Bumsens eines jungen Models eine seiner drei Ehen zerstört und letztendlich seinen zahlreich dahinsiechenden Freunden ins Grab nachfolgt.

Mit anderen Worten: Der neue Roth ist - surprise, surprise - wieder ein echter Roth geworden. Um einiges schmäler, aber auch konzeptuell weniger überfrachtet als die im Vorjahr erschienene alternate history-Fantasie "Verschwörung gegen Amerika" ist "Jedermann" ein Buch voll Lebenshunger und

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