Nüchtern betrachtet

Wir lümmelten auf leichten Stühlen

Kultur | aus FALTER 33/06 vom 16.08.2006

Über die Jahrzehnte habe ich es geschafft, mir eine ganz schön komplexe Identität zuzulegen. So bin ich zum Beispiel Gastgartensitzer, Nachtschwitzer und Vorteilskartenbesitzer. Staatsstipendien und Ehrenkreuze gibt's dafür keine, aber das macht nichts, reich und glücklich bin ich auch so. Das heißt, ich wäre es, würde man mir wenigstens mit stummem Wohlwollen oder freundlicher Ignoranz begegnen: Hier geht einer, der hat eine Vorteilskarte im Portemonnaie, möge ihm das Leben lang und süß, das Sterben aber kurz und leicht sein - so sollte es durch die Rüben der Bundesbahner rauschen. Was aber tun sie? Sie werfen mich in Tulln samt Frau und Kind aus dem Zug, weil ich nicht sechzig Euro für eine Karte nach Krems zahlen will, die man auf dieser "Selbstbedienungsstrecke" nur mehr am Schalter lösen darf - eine unangekündigt eingeführte Regelung, aus deren schmutzigem Haupte zwei ridiküle Hörner sprießen, Willkür und Bürokratie geheißen. Zwischen beide wird eines donnernden

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