Kommentar

Genug getrommelt, Günter Grass

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 34/06 vom 23.08.2006

Martin Walser hat versagt. Irgendwie. Nach dem Theater um die Verleihung des Heinrich-Heine-Preises an Peter Handke herrschte monatelang Erregungsflaute, und Walsers neuer, bereits im Juli erschienener Roman mit dem vielversprechenden Titel "Angstblüte" war offenbar auch nicht geeignet, für eine anständige Brise zu sorgen. Die liebste Beschäftigung (nicht nur deutscher) Intellektueller, nämlich die moralische Beurteilung anderer Intellektueller, musste - sozusagen aus Rohstoffmangel - sistiert werden. Nun konnte aber glücklicherweise Günter Grass für den schwächelnden Kollegen Walser einspringen. Seit dem 12. August brummt es wieder ordentlich im Feuilleton, und kaum ein Dichter und Denker, der nichts zum Fall Grass zu sagen wüsste (und sei's, dass er oder sie nichts dazu zu sagen weiß).

Eine (notgedrungen) extensive, wenn auch nicht annähernd an Vollständigkeit heranreichende Recherche in den Print-und Onlineausgaben der Zeitungen förderte Textmassen zutage, mit denen man


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