Wir sind die, die du tötest

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 34/06 vom 23.08.2006

LITERATUR Der Amerikaner John Updike und der Engländer Chris Cleave schicken in ihren Romanen zwei Antihelden in den Kampf gegen den islamischen Terror: einen müden jüdischen Betreuungslehrer und eine Schlampe aus dem Londoner East End.

Mitunter berühren sich Realität und Fiktion auf eine Weise, angesichts derer sich großes Unbehagen einstellt. Am 7. Juli des vorigen Jahres sollte "Incendiary", das Romandebüt des Engländers Chris Cleave, erscheinen. Beworben wurde das Buch mit Plakaten, auf denen ein von gewaltigen Rauchschwaden umwölktes Arsenal-Stadion zu sehen war; darunter die Worte: what if?; zu Deutsch: Was wäre, wenn?

Die literarische Fantasie von einer terroristischen Attacke auf ein ausverkauftes Stadion wurde am gleichen Tag von den Anschlägen auf die Londoner U-Bahn eingeholt. Die Werbekampagne wurde umgehend eingestellt, und Chris Cleave, Jahrgang 1973, bemühte sich auf seiner Homepage mit Spendenaufrufen, Leserumfragen und Berichten von Hinterbliebenen darum, moralische


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