OHREN AUF!

Lieder weit weg

Carsten Fastner | Kultur | aus FALTER 34/06 vom 23.08.2006

Der Patron und die Zierde der unsittlichsten Häuser am Platze soll er gewesen sein, jener überaus elegante, herrisch auftretende compradito, von dessen tragischem Ende der argentinische Schriftsteller Jorge Luis Borges in seinem Gedicht "El títere" ("Die Marionette") berichtet: "Man verwöhnte ihn im Bordell. Die dienstbaren Mulattinnen verschmähten durchaus nicht die Liebe dieses unerschrockenen Mannes."

Astor Piazzolla, in Europa vor allem als Virtuose auf dem Bandoneon bekannt, hat das Gedicht seines Landsmannes überaus elegant vertont, und so tangoselig argentinisch, wie sich Borges' Geschichte liest, klingt auch Piazzollas Musik. Einzig die Besetzung für klassische Frauenstimme und Klavier erinnert daran, dass sich der Erfinder des Tango nuevo damit in die Tradition einer älteren argentinischen Erneuerungsbewegung stellte, die um 1900 sehr erfolgreich Einflüsse europäischer Kunstmusik (vor allem des deutschen Liedes) mit nationalen Musikstilen und Inhalten verband.

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