KUNST KURZ

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 34/06 vom 23.08.2006

Die Häuser und Felder stehen unter Wasser, alte Leute schiffen ihre paar Habseligkeiten aus dem Überschwemmungsgebiet, das Wälle aus Sandsäcken nicht verhindern konnten: Die Doku-Fotos zu dem Donauprojekt "Küba" lassen ermessen, in was für ein Elend Francesca Habsburgs Kunstschiff Ende Juni fuhr. Von dem Hochwasser ließ man sich jedoch nicht abhalten, die Videoinstallation des Künstlers Kutlug Ataman zu zeigen - auch wenn die flutgeplagten Osteuropäer oft nichts von den türkischen bzw. kurdischen Interviews mit englischen Untertiteln verstanden. Gemeinsam mit Auftragsarbeiten läuft "Küba" nun im Nestroyhof (bis 9.9.). Der Saal des ehemaligen jüdischen Theaters steht voller Monitore, auf denen Bewohner des Istanbuler Armenviertels Küba zu Wort kommen. Vom Mädchen bis zum Greis erzählen sie über ihr Leben, zeichnen indirekt ein Porträt ihrer Kultur. Auch wenn die Menge zunächst erschlägt, zahlt es sich doch bereits aus, wenigen Interviews zu lauschen.

Was der Windhund für Ungarn bedeutet, ist im Theaterkeller zu erfahren. Die Künstler László Csáki und Szabolcs Pálfi interessierten sich für den magyarischen Jagdgefährten, der unter den Kommunisten verboten war, aber von den Roma weitergehalten wurde. Die Begeisterung der interviewten Züchter stößt unangenehm auf: Anhand der breitrückigen Vierbeiner soll offenbar das Wiedererstarken des ungarischen Nationalstolzes gezeigt werden. Renata Poljak versucht in ihrer Videoarbeit die Krise eines Ehepaars mit der eigenen Erinnerungs-und Identitätssuche in Ex-Jugoslawien zusammenzuschmieden, was nicht wirklich klappt. Der Künstler Zelimir Zilnik hat letzten Frühling mit einer Gruppe Jugendlicher einen Filmworkshop abgehalten. Das sehenswerte Ergebnis "Soap in Danube Opera" führt augenzwinkernd zu echten Männern und sehr blonden Frauen zwischen Belgrad und Novi Sad, in Abrisshäuser und auf den Pferdemarkt der Roma, wo das (Soap-)Leben noch eine archaische Stimmigkeit verströmt.


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