Fragen Sie Frau Andrea

Fäun, beckln, miachtln

Stadtleben | aus FALTER 34/06 vom 23.08.2006

Liebe Frau Andrea,

da Wien wie andere Großstädte Unannehmlichkeiten wie Hundstrümmerln, Müllverbrennungsanlagen und schlecht belüftete öffentliche Verkehrsmittel beherbergt, riecht es bisweilen streng. Nur stinkt es eben in Wien nicht, sondern es "fäult", "peckelt" oder "miachtelt". Ich bitte um Aufklärung, welchen etymologischen Ursprungs diese Umschreibungen negativer olfaktorischer Sensationen sind!

Es verbleibt mit bestem Dank,

Christoph Tálos, Mariahilf

Lieber Christoph,

das Stinken Wiens kann mit einer Palette an Ausdrücken beschrieben werden. Das Fäun kommt vom geruchsintensiven Vorgang des Faulens organischen Materials. Das Beckln - Böckeln, - dürfen wir Ziegenböcken und ungewaschenen Männern vorwerfen. Der Miachtler schließlich kommt über das süddeutsche muchen, müchen, mücheln von lateinisch mucus, Schleim. Unter den Unwohlgerüchen gibt es einige, die man echt wienerisch nennen darf. Der Geruch der U1 etwa, eine Komposition aus Pestgrube und dekompostierendem Haustier. Oder die Duftnote, die wir dem Zusammenspiel von dampfender Melange und frisch gefallenen Rossäpfeln verdanken und die den Besuch der Schanigärten von Innenstadtcafés zu einem unvergesslichen Erlebnis macht! Zu den Wiener Besonderheiten möchte ich auch den Probelokalgeruch zählen. Hier vermischen sich stehender, cannabisgewürzter Zigarettenrauch mit Musikantenschweiß, dem süßlichen Geruch billiger Gitarrenverstärker und dem muffigen Duft schimmelnder Sofas, an denen der eine oder andere kalte Bauer klebt.


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