Kontinentaldrift

Tex Rubinowitz | Stadtleben | aus FALTER 34/06 vom 23.08.2006

RUBINOWIEN In Teil drei der Sommerserie geht's um den Radverkehr und um das freundliche Räuspern klappernder Schutzbleche.

Auch wenn ich selbst Radfahrer bin, muss ich doch leider immer wieder sagen, dass sie (nicht ich) die rücksichtslosesten Verkehrsteilnehmer sind. Sie erschrecken Fußgänger, schneiden ihnen den Weg ab und klingeln sie herrisch zusammen, wenn sie von ihren Pfaden abweichen, Betrunkene imitierend, wie es nun mal Touristen eigen ist, oder so, als hätten sie das bizarre Konzept "Gehen" gerade eben erst gelernt. Radfahrer verhalten sich deswegen so säuisch, weil sie einen Minderwertigkeitskomplex haben. Weil ihre Fahrzeuge nämlich keine Geräusche machen, so wie Autos, Kutschen und Mofas. Dabei würde doch nur, wie ich es habe, ein loses, klapperndes Schutzblech ausreichen, um von weitem schon wahrgenommen zu werden - als eine Form des Höflichkeitsräusperns, um sich so die vermisste Aufmerksamkeit, den gewünschten Respekt zu verschaffen und das Liebesdefizit zu kompensieren.

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