An der Nordbahn

Politik | Andreas Bachmann Und Matthias G. Bernold | aus FALTER 35/06 vom 30.08.2006

KAMPUSCH Eine Eisenbahnersiedlung im Speckgürtel. Eine Frau mit Kindheit, aber ohne Jugend. Ein geköpfter Psychopath.Kultur des Wegschauens und so viele Fragen offen.

Ob er wohl noch einen Blick hatte für den Millennium Tower oder für das Riesenrad, als er aufs Bankett kletterte? Ist er auf dem groben Kies die Schienen entlanggelaufen, um die ideale Stelle zu suchen? Oder hat er den Hals sofort aufs blanke Gleis gelegt, als wäre es ein Richtblock? Hat er nachgedacht, gebetet, bereut? Vielleicht sein Leben Revue passieren lassen? Der Tod kann ihn nicht überrascht haben. Wenn sich ein Zug nähert, beginnen die Gleise immer stärker zu vibrieren. Das Rattern über die Schwellen und das Dröhnen des Triebwerks wird immer lauter. Unmittelbar an den Gleisen schmerzt der Lärm in den Ohren. Und das Pfeifen des Warnsignals geht durch und durch.

Am Mittwoch, dem 23. August 2006, um 20.59 Uhr trennt eine Schnellbahngarnitur auf der Nordbahnstrecke zwischen den Stationen Praterstern und Traisengasse


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