Kernfamilie spielen

Kultur | Joachim Schätz | aus FALTER 35/06 vom 30.08.2006

FILM Henner Wincklers schönes Teenagerdrama "Lucy" erzählt am Beispiel einer 18-jährigen Mutter von erwachsenen und jugendlichen Lebensentwürfen.

In einem Berliner Park wird eine Beziehung aufgelöst: Die 18-jährige Maggy (Kim Schnitzer) gibt dem Exfreund Mike trotzig diverses geborgte oder geschenkte Zeug zurück und tauscht mit ihm verstockte, vielsagende Feindseligkeiten aus. Wo er denn das Geld her habe, um sein frischgekauftes Haustier, einen Welpen, zu versorgen, fragt sie missgünstig. Darauf Mike: "Wenigstens ist der treu."

Diese allererste Szene, aufgelöst in einer einzigen, kaum bewegten Einstellung, gibt die Erzählhaltung von "Lucy" exakt wieder: Statt detaillierter Ausführungen zu Psychologie und Vorgeschichte der Figuren ein insistierendes Starren auf soziale Interaktionen in kleinen Raumausschnitten. Statt ausfabulierter Handlungsbögen eine Reihe von Szenenstümmeln und-stümpfen, die beiläufig vorüberziehen, aber enorm pointiert und erzählökonomisch genau gesetzt


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