KUNST KURZ

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 35/06 vom 30.08.2006

Die Atlanten, die vier Muskelprotze in der Sala Terrena der Österreichischen Galerie Belvedere, haben moderne Gesellschaft bekommen: Die Besucher wandeln derzeit durch eine rot-gelb-blaue Schlucht von Roland Goeschl, das stärkste Signal zur Werkschau (bis 15.10.) des bald 75-jährigen Künstlers. So gelungen die Ouvertüre, so enttäuschend der Hauptakt. Goeschls Skulpturen kommen in der verstreuten Raumsituation des Erdgeschoßes schlecht zur Geltung: Zu den frühen Bronzen des Wotruba-Schülers gelangt man durch den Museumsshop; bei den ersten farbigen Holzplastiken riecht es nach dem benachbarten Restaurant; Goeschls tolle Werbevideos für Humanic laufen als Nebensache in einem ansonsten leeren Saal. Vieles wird hier unter seinem Wert verkauft, etwa die Kunst-am-Bau-Projekte, auch mit Begleittexten wurde gespart. Insgesamt wirkt die Schau lieblos gestaltet und bedeutet einen Rückschritt zu der Belvedere-Ausstellung "Formalismus" 1997, in der Goeschls Spielklotzästhetik als Variante der konkreten Kunst spannend aufgearbeitet wurde.

Auch David Lamelas in der Secession (bis 10.9.) kreiert einen Engpass, allerdings einen, der nirgendwohin führt. Mit kryptischem Ansinnen verstellt der Konzeptkünstler einen Raum durch einen keilförmigen Gang und zeigt nebenan eine gefilmte Meeresansicht. Die Zahl der Kubikmeter des eingeschlossenen Raums hat Lamelas auf Laufmeter Film übertragen. Genauso auf das Formale erpicht, aber weniger streng, ist Lamelas' neue Filmarbeit "The Light at the Edge of a Nightmare". In fünf Episoden läuft immer wieder dieselbe Handlung ab: Ein Mann und eine Frau nähern sich quer durch die Stadt einander an, schließlich sticht die Frau den Mann nieder. Die in Buenos Aires, Los Angeles, Berlin, Paris und London gedrehten Kurzfilme zitieren Symbole und Klischees des Film noir. Durch die stilisierte Kamera, Slow Motion und den eigenwilligen Soundtrack kehrt Lamelas Suspense und Handlungsprimat den Rücken zu.


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